Teamwork 4.0

Haben Sie schon mal eine Delfinschule gemeinsam schwimmen sehen? Forscher gehen davon aus, dass Delfine ein kollektives Bewusstsein haben. Also Teamwork 4.0 - das Einbringen aller in ein gemeinsam kreiertes Gesamtbild. Und tatsächlich kann solch eine Art von Zusammenwirken besondere Ergebnisse bewirken. Wie viel mehr Zusammenarbeit sein kann als die Summe der Fähigkeiten der einzelnen Teammitglieder und welche Synergien und Potentiale man hier alles entdecken und heben kann...!?

Tatsache ist aber: Bis vor wenigen Jahren konnte man mich schon mit dem Wort Teamwork jagen. Und ich weiß, dass ich damit nicht ganz allein war und dass auch heute noch manchen Menschen der Kamm schwillt, wenn man sie zur Teamarbeit 'verdonnert'. Das erlebe ich immer wieder bei Klient*innen. Warum? Weil die Teammuffel eben keine Erfahrungen kollektiven Bewusstseins machen konnten. Eher im Gegenteil...

In der Schule gab es in den 'Teams' immer jemanden, der besser wusste (wenn auch vielleicht nicht konnte), was alle anderen zu tun und zu lassen hatten. Ähnliche Erfahrungen durfte ich in diversen Ehrenämtern machen. Dabei fallen oft Menschen, die sich ungern in den Vordergrund spielen oder wenig Selbstvertrauen haben, hinten runter. Und damit viel an Potential.

In der Uni machte ich die Erfahrung, dass viele Egos in einem 'Team' dazu führen, dass man nichts auf die Reihe brachte, davon aber mächtig viel. Highlight war ein 'Gruppenreferat', das wir mit 40 (!) Leuten über die PLO halten sollten. Ein großer Spaß. Ziel der Übung war es laut Herrn Professor, zusammenarbeiten zu lernen. Hat super geplappt: Ende des Lieds war stattdessen ein Referat aus 120 Seiten, das mit 40 verschiedenen Schreibmaschinen getippt war und 40 Einzelleistungen umfasste... Ich glaube, die Lektion haben wir alle nicht gelernt und nein, die Geschichte ist tatsächlich nicht erfunden...

Heute weiß ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen Gruppe und Team und dass es noch einmal einen Unterschied gibt zwischen einem Team, das wie eins arbeitet und einem, das nach Außen Team genannt wird, nach Innen aber Gruppe geblieben ist. Und ich durfte inzwischen erfahren, was ein wirkliches Team tatsächlich schaffen kann und wie gut es sich anfühlen kann, etwas gemeinsam zu kreieren, eine Art kollektives Bewusstsein zu erzeugen.

Was also ist 'gute' Teamarbeit?Bedeutet das, es ist ein 'high performing team', wie das neudeutsch so schön heißt? Das hat zum einen damit zu tun, wie Mitarbeiter*innen miteinander klar kommen, wie ihre sozialen Kompetenzen ausgebaut sind und wie es zusammengesetzt sind. Darüber hinaus gibt es aber eine Komponente, die Otto Scharmer als 'from Ego to Eco' beschreiben würde - nämlich ein gemeinsamer kreativer Prozess, in dem Raum ist für ungewöhnliche und komplett neue Ideen, aber auch für die Phasen des Nicht-Wissens. Das funktioniert nur mit Ruhe und vor allem mit einer sehr wichtigen Fähigkeit, die in unseren hektischen Zeiten ziemlich abhanden gekommen ist: Dem Zuhören. Und damit meine ich weder das Ein-Ohr-nebenbei-am-Smartphone-rummachen-Zuhören, auch nicht das Zuhören in der Überzeugung, dass ich es selbst doch sowieso besser weiß und genauso wenig das Zuhören, in dem ich zwar gewillt bin, dem oder der anderen zuzugestehen, dass da vielleicht ein Körnchen Wahrheit drin ist, dies aber zu vernachlässigen gedenke. Tiefes Zuhören umfasst eine innere, offene und lernbereite Verbindung mit den anderen Personen, in der Klarheit, dass jede/r seine oder ihre eigene Wahrheit und auch Weisheit hat und mein Teil eben nur ein Teil ist, nicht das Ganze.

Wer sich darauf einlässt, in solch ein Zuhören zu kommen, kann die wunderbare Welt des Co-Kreierens neu erleben - wenn durch das Verschmelzen vieler Impulse ein Gesamtwerk wird, das wahrhaft Neues hervorbringt. Ein Teamwork 4.0 eben, wie bei den Delfinen.



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© 2019 Isabell Herzog.