Kommunikation - Eine Kette von Missverständnissen...?!

Das ist schon so eine Sache mit der Kommunikation. Ohne sie ist es schwierig, mit ihr aber auch. Oder wie der Pädagoge Erich Ellinger sagt: "Fast jede Kommunikation ist eine Kette von Missverständnissen."

Vor ein paar Tagen sah ich einen interessanten Bericht, der mein Interesse daran befeuerte, gewisse Dinge in meinem täglichen Leben selbst zu machen. Es war ein sehr ausgewogener und gut recherchierter Bericht. Und da ich mich vor einigen Wochen mit einem Bekannten ausgetauscht hatte, der sich damit schon sehr lange sehr intensiv beschäftigt hat, dachte ich, er sei sicher total interessiert an so einem wirklich guten Bericht.

Voller Elan kopierte ich also den Link und verschickte ihn. Und wartete beifallheischend auf Reaktion (Sie kennen dieses Bild, wenn ein Hund das Stöckchen zurückgebracht hat? So ungefähr dürfen Sie sich das vorstellen...). Als die dann kam, war ich sehr enttäuscht (Herrchen hat das Stöckchen einfach nicht interessiert). Er kenne diese Art von Berichten. Einseitig dargestellt sei das immer und es sei ja nun sowieso so, dass das alles Quatsch sei.

Ich versuchte noch, meinem Bekannten das Stöckchen noch mal schmackhaft zu machen ('Hast Du den Bericht denn gesehen? Ich finde ihn wirklich sehr ausgewogen und gut recherchiert.'), aber es kam wieder nur (für mich gefühlt) Ablehnendes dabei rum.

Nachdem die ersten Reaktionen meinerseits vorbei waren (von 'Wie borniert. Wenigstens anschauen könnte er ihn doch. Das wäre sicher für ihn auch eine Bereicherung.' bis zu 'was für ein arroganter Idiot...'), fing ich an, darüber nachzudenken, was bei ihm angekommen sein mag. Vielleicht, so denke ich jetzt, dachte er sich, als ich ihm den Film schickte: "Jetzt beschäftigt sie sich seit fünf Minuten damit und will mir schon erzählen, wie ich das machen soll, der ich das schon ewig tue.". Vielleicht hat er aber auch schon wirklich zu viel zu dem Thema gesehen und in der Praxis völlig andere Erfahrungen gemacht. Vielleicht hatte er aber auch nur einfach keinen guten Tag und war sowieso genervt.

Fest steht: Während ich auf dem Kanal 'lass uns doch Wissen austauschen' sendete, empfing er scheinbar auf einem anderen Kanal. Dementsprechend verzerrt kam meine Botschaft bei ihm an, ebenso wie seine Reaktion bei mir dann wieder in den 'falschen Hals' kam. Weil ich andere Erwartungen gehabt hatte und mich nicht in dem bestärkt gefühlt habe, was ich zeigen wollte: Hey schau mal, ich beschäftige mich jetzt auch damit. Das hat unter anderem das Gespräch mit Dir neulich angetriggert. Danke für den Impuls.

Ich könnte das Ganze jetzt noch genauer auseinandernehmen, aber wenn es Sie interessiert, verweise ich an der Stelle lieber auf so wunderbare Modelle wie das Nachrichtenquadrat bei Schulz von Thun. Und möchte lieber dazu übergehen, was wir aus der Geschichte lernen können.

Zum Einen dürfen wir uns immer bewusst sein, dass das, was wir meinen, klar auszudrücken, nicht unbedingt immer genauso klar beim anderen ankommt. Stellen wir uns das vor, als trügen wir alle Brillen mit verschiedenfarbigen Gläsern: Meine ist hellgelb, Ihre lila, die nächste dunkelgrün. Wie sollen wir zu dem selben Bild kommen? Das geht nur, indem wir mehr kommunizieren. Ich hätte zum Beispiel deutlich sagen können: "Du, ich befasse mich jetzt auch mit dem Thema und ich würde mich gern mit Dir austauschen und von Dir lernen. Ich habe jetzt einen ersten Bericht gesehen und mich würde interessieren, ob Du die Erfahrungen aus dem Bericht bestätigen kannst oder ob Du andere Erfahrungen hast." Ich bin mir sicher, die Reaktionen wären anders ausgefallen, weil er meine Intention hinter meiner Aktion besser verstanden hätte.

Zum Zweiten war ich nach seiner (für mich empfunden) ablehnenden Reaktion in einem Spiel, dass ich das Interpretationsspiel nenne: Ich fing an zu überlegen, was genau er jetzt mit seiner Reaktion gemeint hatte und malte mir hundert verschiedene Dinge aus, die zu der Antwort geführt hatten. Hängen blieb ich dann an der Erklärung, die zu dem passte, worüber sich seine Frau mal beschwert hatte bei ihrem Mann. Typischerweise. Denn unser Hirn versucht ja, sich den Sinn zusammenzubasteln aus den Informationen, die es schon hat. Und wo passt das am besten hinein? In das Puzzle, das seine Frau mir mal gegeben hatte. Damit verfestigt sich also (wenn wir nicht aufpassen) das, was wir schon zu glauben wissen und das Bild, was wir uns von einer Person machen, wird zur Marmorstatue - unverrückbar und fest. Alles, was jetzt noch passiert, ordnen wir immer wieder da ein. Und der Arme hat keine Chance, das jemals wieder zu ändern.

Das Interpretationsspiel betoniert zudem nicht nur mein Bild vom Anderen, sondern auch mein Bild von mir - wenn ich glaube, nicht liebenswert zu sein, werde ich immer wieder in solchen Situationen interpretieren, dass die andere Person mich nicht liebenswert findet. Oder wenn ich von mir glaube, dass andere Leute ein Problem mit mir haben, werde ich diese Reaktion dafür nutzen, diesen Glauben von mir noch tiefer zu verfestigen. Blöde Sache, auch wenn es eben ein recht natürlicher Prozess ist...

Bei anderen sehen wir diese Prozesse immer gern mal ganz schnell und sofort ganz klar. So wie ich in meinen Kursen, Workshops oder meinen Coachings. Und vielleicht denke ich das nächste Mal auch bei mir selbst privat mal sofort daran, dass gerade diese beiden Prinzipien im Gange sind, wenn ich mich mal wieder ärgere, wundere, enttäuscht bin oder mich verletzt fühle.... Ich nähere mich zumindest... ;-)

Einen schönen Wochenstart allen Lesern und Leserinnen.




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© 2019 Isabell Herzog.