Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen...

...ist, sie zu gestalten. (Willy Brandt)

Ok, zugegeben. Ich bin eine Trekkerin. Im besten Sinne. Und ich rede hier nicht von modernen Wörtern für Wandern oder Radfahren (auch wenn ich das auch gern tue), sondern von Star Trek. Sie erinnern sich? Space - The final frontier...

Vor ca 25 Jahren, auf der Höhe der Popularität von Star Trek - The Next Generation besuchte ich in London eine Ausstellung zum Thema, inwiefern Star Trek (und zwar die ursprüngliche Serie aus den 60ern) die Wissenschaft beeinflusst hat. Ich war beeindruckt. Auch wenn ich Ihnen nicht mehr im Einzelnen erzählen kann, was es alles war, da ich immer an Menschen deutlich mehr Interesse hatte als an Technik, weiß ich noch, dass ich fasziniert war, was alles kreiert werden kann, wenn man es nur erst mal denken kann. Denn was bei dieser Ausstellung sehr klar zum Ausdruck kam, war, dass die Zukunftsideen aus Star Trek Menschen dazu inspiriert haben, genau diese Zukunftsideen in eine gegenwärtige Realität umsetzen zu wollen. Eine Freundin aus der Weltraumforschung bestätigte dies damals und erzählte mir, dass eigentlich alle Kolleg*innen Star Trek Fans seien. Wohlgemerkt für alle Nicht-Sci-Fi-Fans: Nicht Star Wars - das ist das mit dem Gut und Böse, Bummbumm, ich will dich töten... Gottseidank ist nicht das das Vorbild unserer Weltraumforschung.

In den letzten Wochen wurde ich sehr viel damit konfrontiert, dass erstaunlich viele Menschen Zukunft nur auf eine Weise denken können. Nämlich als Fortsetzung der Gegenwart, nicht als Erschaffung eines neuen Abschnitts, der auch Neues, sogar komplett Anderes als das Heutige hervorbringen kann. Sind wir nur zu fantasielos oder was genau hindert uns daran, fromm und frei mal positiv visionär zu denken?

Bleiben wir noch mal einen Moment bei Star Trek. Was mich persönlich an der Serie - speziell an der Next Generation - immer fasziniert hat, sind die Modelle menschlichen (oder humanoiden) Zusammenlebens und von Gesellschaften. Armut beseitigt, Geld abgeschafft, Diskriminierung ist kein Thema mehr (auch wenn ich mit den Augen der 2020er Jahre betrachtet die Stereotype, die noch in den 1990ern herrschten, manchmal als unerträglich empfinde...), eine Oberste Direktive verhindert die Ab- oder Aufwertung einzelner Kulturen und verhindert, dass anderen Kulturen der eigene Stempel aufgedrückt wird (auch wenn das zu einigen moralischen Dilemmata führt, die dann eben in Bewusstsein dessen gut abgewägt werden müssen). Man regelt Auseinandersetzungen - sofern möglich - friedlich und in gegenseitiger Wertschätzung.

Vielleicht kann ich dank der intensiven Auseinandersetzung mit dieser Serie in den 1990ern heute denken, dass sowas tatsächlich möglich ist. Und was dazu kommt: Ich kann es sehen, hören und vor allem fühlen, in so vielen Begegnungen, so vielen tollen Beispielen, was Menschen schon auf die Beine gestellt haben oder aktuell erschaffen. Und darauf möchte ich mich fokussieren, denn alles andere möchte ich mir für unsere Zukunft gar nicht vorstellen.

Wenn ich so etwas sage, kommt immer gern der Einwand, ich sei halt ein wenig 'naiv' oder 'unrealistisch'. Ist das so?

Zukunft ist etwas, was noch nicht da ist. Dementsprechend ist es zum einen noch beeinflussbar, denn die Zukunft ist fundamental davon abhängig, was ich heute tue. Und - und das wird uns viel zu wenig bewusst - davon, was ich denken kann. So wie viele Wissenschaftler durch das Modell Star Trek dazu animiert wurden, komplett Neues zu erschaffen, so können auch wir komplett Neues erschaffen, wenn wir uns inspirieren lassen.

Wenn das nicht möglich wäre, würde wir noch heute in Höhlen wohnen und uns ein Mammut zum Mittag jagen. Tun wir aber nicht. Weil wir kreativ denken können, weil wir die Möglichkeit haben, uns Lösungen einfallen zu lassen, die nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft hervorgebracht werden.

Was es dazu braucht, ist eine neue Art von Bildung, man nennt es Neudeutsch auch Futures Literacy - frei übersetzt, die Fähigkeit, sich verschiedene Zukünfte vorstellen zu können. (Ein spannender Artikel hierzu ist dieser: https://medium.com/copenhagen-institute-for-futures-studies/what-is-futures-literacy-and-why-is-it-important-a27f24b983d8)

Dies ist im persönlichen Bereich wertvoll - wer sich vorstellen kann, eine sonnige Zukunft zu haben, fährt damit erfahrungsgemäß besser als jemand, der vor der Zukunft Angst hat -, besonders wichtig aber auch im unternehmerischen und im gesellschaftlichen Kontext. Wenn bspw Ihre Branche gerade auf dem absteigenden Ast sitzt, brauchen Sie nicht mehr vom Alten, sondern neue, kreative Lösungen, die Ihnen vielleicht heute noch gar nicht möglich erscheinen. Und das am besten im Team: Kennen Sie den Moment, an dem einer einen kleinen Funken an Idee in die Runde wirft und das Feuer der Begeisterung sich langsam im Raum ausbreitet? Es gibt wenig Motivierenderes.

Wie also kommen wir in dieses Zukunftsdenken? Zum einen, indem wir offen bleiben dafür, dass es nie eine, sondern immer viele Lösungen gibt. Wir sitzen in einem unglaublich großen Raum der Möglichkeiten, der vielen nicht einmal bewusst ist. Und noch nie waren diese Möglichkeiten so zugänglich wie heute.

Das wiederum braucht Fokussierung. Womit beschäftige ich mich? Was lese ich, welche Nachrichten konsumiere ich, mit wem unterhalte ich mich? Und mit wem eben nicht?!

Und es braucht mindestens einen Menschen, der*die schafft, Sie mitzunehmen, Sie mit geeigneten Methoden wachzuküssen für die Möglichkeiten der Zukunft (an der Stelle ein großes Danke für die inspirierende Runde am Dienstag, in der dieses wunderschöne Wort 'wachküssen' den Weg in mein Bewusstsein fand). Dann kann's auch klappen mit dem kreativen Zukunftsdenken...

Victor Hugo sagte einmal:

"Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance."

Lassen Sie uns mutig sein.


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