And I set fire to the rain...

Ok, ich gebe es zu. Ich bin sehr leicht zu begeistern und dann brennt es, das Feuer. Ich bin ausgelassen, inspiriert und begeistert und oft gelingt es mir schnell, damit andere anzustecken. Die dann sogar meist so inspiriert sind, dass deren Feuer brennt, wenn ich schon wieder eine andere Feuerstelle entdeckt habe. Und daraus entstehen neue Ideen, Projekte, Kontakte und eben auch unendlich gute Gefühle.

Warum ich das 'zugeben' muss? Weil es - so scheint es mir sehr oft - komplett dem aktuellen Zeitgeist entgegensteht, in dem Begeisterung und positive Leidenschaft für etwas statt dagegen irgendwie etwas alienartig angesehen werden.

Aber halt - ist das so?

Am Wochenende war es wieder soweit - ich habe am Samstag an einem extrem inspirierenden und inspirierten Event teilgenommen, viele spannende Menschen getroffen und sogar eine Person, mit der zusammen sicher etwas Tolles und Großartiges passieren kann. Feuer und Flamme und voller Hoffnung und positivem Gefühl machte ich mich beschwingt auf den Heimweg. Und traf dabei auf einen Menschen, der genau das Gegenteil ausstrahlte: ALLES SCHEIßE. Es gibt nur Betrüger, Lügner, wir werden vera...t, für dumm verkauft und das hat die Vormachtstellung. Na klar, da gibt es so ein paar gutgläubige Spinner, aber die kommen doch gegen die Übermacht von Wirtschaft und Lobbypolitik überhaupt gar nicht an.

Zack, da war er, der Eimer Wasser. Ich hätte heulen können. Und war erst einmal sprachlos. Statt, dass sich dieser Mensch von meiner guten Laune anstecken ließ, merkte ich, wie sich mein schönes buntes Bild langsam in seine Einzelteile auflöste und schon den Rucksack gepackt hatte, um sich leise vom Acker zu machen.

Nach einer Weile aber spürte ich, dass da noch ein kleiner Funken am Brennen war. Und begann damit, mein Plädoyer zu halten. Für eine positivere Sichtweise. Denn Realität ist das, was wir daraus machen. Es gibt sie nicht, die EINE Realität, das haben diverse Forscher, Philosophen und sonstige schlaue Menschen inzwischen sehr klar herausgestellt. Es ist einfach eine Frage der Fokussierung.

Natürlich sehe auch ich, dass es viele Herausforderungen gibt. Natürlich mutet die Vorstellung, dass wir plötzlich alle auf Werbung verzichten - um mal einen der inspirierenden Denkimpulse von Samstag aufzugreifen-, da sie uns eh nichts bringt, als illusorisch und etwas weltfremd an. Aber oho - in Vermont, Alaska, Hawaii und noch einigen anderen Staaten der USA gibt es ein Außenwerbungsverbot. Sao Paolo ist außenwerbungsfrei. Viele Initiativen auch in Deutschland arbeiten daran, dies auch hier durchzusetzen. Also illusorisch? Nein, nur eine Frage der Zeit, Energie und Fokussierung.

Ich habe jeden Tag eine Wahl. Möchte ich mich davon herunterziehen lassen, dass es so viel Elend, Ungerechtigkeit und alte, verknöcherte Betonköpfe gibt oder möchte ich konstruktiv an etwas Neuem arbeiten? Ich persönlich weiß, dass ich mit Letzterem besser fahre: Mein Energielevel steigt, ich habe Lust und Ideen zu etwas Neuem und bin dadurch allgemein kraftvoller und weniger schnell zu stressen. Ich kann agieren statt gelähmt in der Ecke zu sitzen. Denn das ist es, was passiert, wenn ich mich auf all das Schlimme in dieser Welt konzentriere.

Das heißt bitte nicht, dass ich alles rosarot anmale und fröhlich auf meiner Wolke davonschwebe. Aber es heißt, meine Gewichtung zu überdenken - wem gebe ich mehr Energie?

Sogar die Medien begreifen das langsam. Vor ein paar Wochen habe ich seit langer Zeit mal wieder in eins dieser Nachrichtenjournale abends gegen zehn gezapt. Und siehe da, nach all dem Unangenehmen gab es am Ende einen interessanten Bericht über ein Dorf, die sich nicht damit abfinden wollten, dass das Dorf langsam ausstirbt. Sie haben die Bewohner zusammengetrommelt, Geld gesammelt und in gemeinsamer Arbeit die ehemalige Dorfgaststätte zu einem Begegnungsort modern umgebaut, einen neuen Pächter gefunden und so nicht nur das Dorf näher zusammengebracht, sondern auch Zukunft geschaffen.

Es gibt immer eine Wahl. Ich habe immer die Möglichkeit, für mich eine Sichtweise zu überdenken, Positiveres auszustrahlen und damit Mut und eine gute Stimmung zu verbreiten. Und die brauchen wir dringend, um die Probleme auch wirklich anzupacken, um der Ungerechtigkeit, den Unzulänglichkeiten und all den anderen Herausforderungen ins Auge zu schauen und konstruktiv damit umzugehen. In der Politik, im Unternehmen und im Privatleben. Also raus aus der Lähmung und rein in all die spannenden und inspirierenden Vorbilder, von denen wir selbst jederzeit eins werden können, auch das ist eine Wahl, die wir haben. Also los - let's set fire to the rain!


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© 2019 Isabell Herzog.