Alles eine Frage des Nährbodens...?!

Es wird viel darüber geredet, dieser Tage. Darüber, dass 'die Atmosphäre' stimmen sollte. In einer Organisation zum Beispiel. Es ist vielen von uns inzwischen bewusst geworden, wie sehr die Stimmung, in der sich Menschen bewegen, ihr Verhalten beeinflusst. Und wir alle kennen das: In Besprechungen, in denen sich in erster Linie eine*r gern reden hört oder in der jede*r mit eigener Meinung als Ausgestoßene*r behandelt wird, fühlen wir uns nicht unbedingt so, als wäre es eine gute Idee, ein paar Kritikpunkte anzumerken - und seien sie auch noch so konstruktiv gemeint.

Das wiederum - und auch das ist vielen mittlerweile sehr klar - führt dazu, dass gute Ideen nicht ausgesprochen werden, Unternehmungen 'betriebsblind' werden und Fehler nicht als Chance zum Lernen, sondern als Versagen eingestuft werden, die lieber ihren Platz unter dem Teppich behalten sollten.

Gesellschaftlich redet man da gern von 'Nährboden'. Zum Beispiel der 'Nährboden für die rechte Szene' oder der 'Nährboden für Hass'. Interessanterweise redet kaum jemand von einem 'Nährboden für Liebe' oder einem 'für gute Zusammenarbeit und motivierendes Betriebsklima'. Aber das nur am Rande.

Was aber braucht denn ein Nährboden, in dem eine kollegiale Zusammenarbeit und eine offene Kommunikation, auch über unangenehme Aspekte und Kritikpunkte, wachsen und vor allem gedeihen können? Vor allem Vertrauen, Wertschätzung, Respekt werden Sie vielleicht sagen. Vielleicht fällt Ihnen auch ein gegenseitiges Begegnen auf Augenhöhe ein, ungeachtet jedlicher Hierarchien. Zeit wäre ein weiterer Punkt oder die Offenheit, einander als Menschen zu sehen und Dinge etwas dissoziierter zu sehen anstatt alles persönlich zu nehmen.

Ist der Boden aber wirklich alles? Gibt es automatisch nur noch offene Kommunikation und kreatives Miteinander, sobald der Raum dafür geöffnet ist, tiefes Vertrauen hergestellt und wertschätzende Kommunikation stattfindet?

Ich persönlich denke, das ist mehr als die halbe Miete. Aber alles?! Nein. Manchmal hat man einen wundervollen Raum geschaffen, in dem man das Gefühl hat, dass alles passieren kann und darf, was man sich so vorstellen kann. Es ist alles ok, zumindest entstehen gute Gespräche, eine tiefe Verbindung, es scheint Vertrauen zu herrschen, zumindest gibt es auch den PLatz für kritische Gespräche... Und dann passiert auf einmal etwas, von dem man denkt, das könne in so einem Raum eben nicht passieren - es scheint Unausgesprochenes gegeben zu haben, das jemand nicht teilen mochte. Das auf einmal auf anderen Wegen zum Vorschein kommt.

Denn wir alle sind individuelle Pflanzen - wie auf dem Bild. Da wachsen manche sehr schnell, andere langsam, andere gehen gar nicht auf (und auf Menschen übertragen sei das bitte nicht als Wertung zu verstanden, es sagt absolut nichts über den 'Wert' oder die 'Entwicklungsstufe' eines Menschen aus). Da sie alle auf demselben Boden stehen, kann es allein an dem nicht liegen. Es ist auch immer ein individueller Aspekt dabei - gottseidank, denn stellen wir uns mal vor, jede*r Samen, der auf einen 'Nährboden für Hass' fiele, würde auch aufgehen...

Neben dem Boden braucht es also noch etwas anderes - nämlich den Menschen, der den Boden als nährend für sich wahrnimmt (oder wahrnehmen kann?!), der mit all dem klarkommt, wie der Boden beschaffen ist und der bereit ist, überhaupt zu wachsen. Und natürlich noch viele andere Faktoren.

So wie nicht jeder Mensch gut mit Agilität klar kommt oder plötzlich toll findet, wenn ihm*ihr nicht mehr gesagt wird, was zu tun ist und was nicht, so kann offenbar auch nicht jede*r über manche Schatten springen, die an ihm*ihr kleben. Da nehme ich mich nicht aus - manche Dinge sind eben hart, neu zu erlernen. Das fällt nicht allen leicht.

Vielleicht braucht es neben dem geeigneten Nährboden eben auch ein bisschen Toleranz dafür, dass wir alle mit unseren Themen zu tun haben und es manchmal einfach nicht klappt, den wirklich perfekten Raum - und Nährboden zu schaffen.



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